Diese Seite erklärt die Begriffe, die in den Beiträgen dieser Redaktion regelmässig auftauchen. Sie ist keine vollständige Enzyklopädie, sondern eine Arbeitsgrundlage — ergänzt, sobald ein Begriff in mehreren Beiträgen auftaucht.

Anomalie

Eine Beobachtung, die deutlich aus der Verteilung herausfällt, die ein Modell als „normal“ gelernt hat. Eine Anomalie ist eine Diagnose, keine Vorhersage: sie sagt, dass etwas auffällt, nicht, was daraus folgt.

Anomalieerkennung

Oberbegriff für Verfahren, die Beobachtungen gegen ein Referenzmodell prüfen und Abweichungen markieren. Im Finanzmarkt meist eingesetzt auf Kurse, Volumina, Volatilitäten und Korrelationen.

Rauschen

Der Anteil der Daten, der keine stabile Struktur trägt. Rauschen ist nicht gleich Fehler — es ist der Teil der Beobachtungen, der sich nicht reproduzierbar erklären lässt.

Referenzmodell

Das Modell, das definiert, was im jeweiligen Kontext als „normal“ gilt. Ohne Referenzmodell bleibt jede Abweichung beliebig; mit einem veralteten Referenzmodell werden normale Beobachtungen fälschlich als Anomalien markiert.

Regimewechsel

Ein Übergang zwischen Marktphasen mit unterschiedlichen statistischen Eigenschaften — etwa von einer Niedrigzins- zu einer Hochzinsphase. Regimewechsel sind eine der häufigsten Quellen falsch markierter Anomalien.

Überanpassung

Ein Modell hat sich so stark an die Trainingsdaten angepasst, dass es deren Eigenheiten statt allgemeingültige Strukturen gelernt hat. Überangepasste Modelle erklären die Vergangenheit gut, die Zukunft schlecht.

Verzerrung (Bias)

Systematische Abweichung, die entsteht, weil die Trainingsdaten die Welt nicht vollständig oder nicht neutral abbilden. Drei häufige Formen: Regime-, Überlebenschicht- und Kennzahlen-Verzerrung.

Nichtstationarität

Die Eigenschaft eines Prozesses, deren statistische Merkmale sich über Zeit ändern. Finanzmärkte sind nichtstationär — das ist der Hauptgrund, warum Referenzmodelle regelmässig erneuert werden müssen.

Einordnung

Der redaktionelle Schritt nach der Markierung: zu beurteilen, ob eine markierte Beobachtung weiterverfolgt oder beiseitegelegt wird. Dieser Schritt lässt sich nicht automatisieren; er ist der Kern der redaktionellen Arbeit dieser Veröffentlichung.